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Brot ein Stück Lebenskraft! Auch für Hunde?

Brot ein Stück Lebenskraft! Auch für Hunde?

Brot ein Stück Lebenskraft! Auch für Hunde?

 

Die Hunde partizipierten seit Jahrtausenden an der Nahrung der Menschen. Mit dessen Entwicklung haben sie – mit den Herdennomadentum der Menschen – eine Laktosetoleranz entwickelt und mit des Seßhaftigkeit die Fähigkeit zur Amylasespaltung erhalten. Mit der Ackerkultur wurde Getreide das wichtigste Lebensmittel der Menschen und Fleisch eine teurere und seltene Rarität. Gerade Bauern- und Hirtenhunde kamen kaum in den Genuss von Fleisch. Die Grundnahrungsmittel waren Getreide jeder Art, zubereitet als dünne Suppen, die sogenannten „Schlampen“ als Brei-Fraß, oder in Form von trockenen Brotschreiben. Brot spielte von der Antike bis in die Neuzeit eine wichtige Rolle in der Ernährung der Hunde.

 

Schon der römische Schriftstellers Lucius Iunius Moderatus Columella (40 n. Chr.) empfahl  Gerstenbrot und Molke als Hauptbestandteile des Hundefutters. Selbst zur Welpenaufzucht nutzte er eine Suppe aus Mehl, Emmer- oder Weizenbrot vermischt mit Molke. Der Eiweißgehalt wurde, wenn keine Milchprodukte zur Verfügung standen, durch die Flüssigkeit von gekochten Bohnen erhöht. Emmergetreide ist eiweiß- und mineralstoffreich und zusammen mit dem Bohnenwasser der Ackerbohne, die um 30 % Protein und bis 50 % Kohlenhydrate enthält, ein hochwertiges Energiefutter. Und auch Lucius Flavius Arrianus betonte: „Gut sind alle, die keine schlechten Fresser, vielmehr bei Weizen- und Gerstenbrot vergnügt sind: das ist nämlich für einen Hund das beste Futter.". Gerade Herdenschutz- und Hütehunde, aber auch Schutzhunde haben durch die Jahrtausende hindurch kaum Fleisch in ihrer Ernährung gehabt und so schreibt schon Columella, dass sie durch den Verzehr von Fleisch blutgierig werden. Das heißt nicht, dass sie auf Blut konditioniert werden, sondern dass die Griechen und Römer schon beobachteten, dass durch übermäßigen Fleischkonsum diese Hundeschläge in ihrem Verhalten kippen und dadurch nicht mehr händelbar waren. So kann man durch die Kontinente hindurch Quellen finden, die die Fütterung der Herdenschutzhunde rein vegetarisch gestalten, was auch den zur Verfügung stehenden Nahrung der Hirten geschuldet war, die sich selbst so ernährten.

 

Aber auch Jagdhunde wurden vorwiegend mit Getreideprodukten gefüttert. Schon in den Jagdbüchern von Roy Modus und Gaston Phoebus im 14. Jahrhundert wird ein Loblied auf das Brot gesungen, das nicht nur als sättigender Bestandteil des Futters angesehen wird, sondern in seiner harten Form auch als Zahnreiniger. Roy Modus setzte das Brot nicht nur als Belohnung nach einem Spaziergang ein, sondern als Grundnahrungsmittel, da Fleischnahrung für den Hund nur in Verbindung mit der Jagd stehen sollte, er also mit dem Fleisch auf seinen Arbeitseinsatz konditioniert wurde.

 

Vor allem förderten die Beliebtheit der Jagd beim Adel und das unglaubliche Anwachsen der Hundemeuten den Umstieg auf eine getreidelastige Fütterung der Hunde, da der Energie- und Nährstoffbedarf dadurch wesentlich günstiger gewährleistet werden konnte. Selbst an den fürstlichen Rüdenhöfen bestand das Futter für die Tiere in erster Linie aus Getreidebreien, die mit Fleischresten und Innereien angereichert wurden. Dieses „Hundsbrot“ konnte auch in Form von „Brotsuppen-Schlampen (dünnen Suppen)“ – einem Brei aus Wasser und Brot, verabreicht werden. Etwa um das Jahr 1500 tauchte in ost- und mitteldeutschen Quellen erstmals ein „Hundekorn“ auf. Dies war eine Abgabe von Korn, vornehmlich Roggen, Weizen und Gerste, und wurde als Ablösung für die Hundestellungspflicht erhoben. Das Hundebrot wurde vorwiegen aus minderwertigen und daher kostengünstigen Roggen und Hafer hergestellt. Die am herzoglichen Hof verpflegten 35 Jagdhunde verbrauchten jährlich 39420 Pfund Brot, was einem durchschnittlichen Tagesverbrauch von gut drei Pfund pro Hund entspricht.

Heute ist das Getreide im Hundefutter als „unverträglich“ in Verruf geraten. Mit dem Trend zur Rohfütterung sogar ganz aus so manchen Speiseplan verbannt worden, aber Hunde benötigen, wie alle Lebewesen, Energie zur Aufrechterhaltung der Körpertemperatur und der Körperfunktionen. Hauptenergielieferanten dafür sind beim Hund Fett und Kohlenhydrate. Getreidestärken (Stärke = Form von Kohlenhydraten) mit einer kleinen Körnung, wie z.B. Hafer, können von der α-Amylase, einem Enzym zur Stärkespaltung, das nachgewiesener Maßen auch Hunde besitzen, gut verwertet werden. Daher gilt Hafer als gut verdaulich für Hunde.

Ernährungsphysiologisch ist Hafer eine der hochwertigsten Getreideart, während der Roggen schon von Plinius dem Älteren als minderwertig und magenschädlich bezeichnet wird. Begrenzend für seine Eignung als Futtermittel ist ein hoher Anteil an schwer verdaulichen Nicht-Stärke-Polysacchariden. Ganz anders der Hafer. Von allen gängigen Getreidearten enthält er den höchsten Fett- und Mineralstoffgehalt (Kalzium, Eisen, Mangan und Zink). Der hohe Eisengehalt ist vergleichbar mit vielen Fleischsorten. Die gleichzeitige Verfütterung von Milch verbessert die biologische Wertigkeit des Haferproteins erheblich. Dazu hat sich inzwischen gezeigt, dass das Hormon Tryptophan aus dem Fleisch, ohne gleichzeitige Aufnahme von Stärke, die Hirnschranke nicht überwinden kann. Dort wird es in Serotonin, dem Glückhormon umgewandelt und sorgt für ein ausgeglichenes und entspanntes Verhalten, was gerade in der bewegungslosen, jagdfreien Zeit im Zwinger von großer Bedeutung war.

Mehr Infos zur historischen Ernährung der Hunde entnehmen Sie meinem Interview mit Frau Karin Immler (www.knowwau.com)

 

 

 

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