Die Suche nach dem Urhund

Ein Vortrag über die Forschungsgeschichte zur Entstehung des canis familiaris und wie er die Menschwerdung beeinflusste.

Über die Herkunft des Haushundes ist viel gerätselt und geforscht worden. Nach empirischen Untersuchungen in der Vergangenheit, lieferten in jüngster Zeit vor allem die Archäologie und Molekulargenetik unerwartete Ergebnisse zur Entstehungsgeschichte des Hundes.

Keine Tierart zeigt sich in so vielfältiger Erscheinung wie der Hund. So verwundert es nicht, dass die Wissenschaft früher an die Abstammung von verschiedenen wilden hundeartigen Raubtieren glaubte. Gestromte Doggen hat man z.B. wegen ihrer Streifen auf Kreuzungen mit Tigern zurückgeführt oder aufgrund von Verhaltens- oder Erscheinungsähnlichkeiten auch Hyäne, Fuchs oder Goldschakal als Vorfahren der Hunde in Betracht gezogen. Ab dem 19. Jahrhundert versuchte man die Abstammung des Haushundes durch wissenschaftliche Zuchtexperimente aufzudecken. Alfred Brehm äußerte sich in seinem „Tierleben“: „Erst sorgfältig überwachte Kreuzungen mit Vorbedacht ausgewählter Wildhundarten mit Haushundrassen und deren Abkömmlingen können uns der Lösung der Abstammungsfragen unseres wichtigsten Haustieres näher führen.“

Erst durch die Ergebnisse der Molekulargenetik scheint seit 1997 die Abstammung des Hundes vom Grauwolf gesichert zu sein. Die Untersuchungen ließen den Schluss zu, dass es Hundeartige schon vor rund 135.000 Jahren gegeben haben könnte, die Trennung von Wolf und Hund wohl aber vor 16.000 Jahren an verschiedenen Orten der Welt stattgefunden haben könnte. So hätte sich der Hund dem Menschen mit Beginn seiner Sesshaftigkeit angeschlossenen. Mit dem Fund eines Hundeschädels in der Höhle von Goyet in Belgien ist diese Theorie vollständig in Frage gestellt, denn dieses Fossil ist 31,680 Jahre alt und ist somit der älteste Fund eines Hundes weltweit! Die Suche nach dem Urhund ist noch lange nicht beendet!

Artikel "Die Suche nach dem “Urhund", in: DOGS Today 01/2010

Die Vorträge können auch zu Seminarthemen vertieft werden.